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Was für ein Tag. Zuerst die Videokamera im Taxi verbraten und jetzt alleine vom Flughafen zurückgekehrt. Lisa ist in Zagreb hängen geblieben. Wie gibt´s soviel Pech auf einmal?
In Skopje gibt es an die 50 Taxigesellschaften. Etwa die Hälfte dieser Unternehmen sind “wilde” Unternehmen. Sie kopieren die Taxischilder der “echten” Gesellschaften und arbeiten unregistriert. Für den Verbraucher ist es im Endeffekt egal. Die Preise sind überall die selben, einzig man bekommt evtl. keine Rechnung wenn man danach fragt.
Der Taxifahrer der mich heute in der Früh ins Kulturzentrum gebracht hat fuhr einen relativ neuen Wagen, hatte dunkle Haare mit einem Haarreifen, war recht jung und trug zerschlissene Jeans. Das war alles an was ich mich erinnern konnte. Für welche Taxifirma er fuhr weiß ich nicht mehr. Schade, denn das macht es praktisch unmöglich für mich die Videokamera, die ich am Rücksitz vergessen habe wiederzubekommen.

Gestern war die Eröffnung von “Working the City”, meinem Projekt für Skopje, in Press to Exit Project Space. Die Arbeit entstand hier und war durch zwei Einflüsse geprägt. (Continued)

“Friseur fuer Damen und Herren - NO LIMIT”
In Gleichberechtigungangelegenheiten weit vorne!
In immer mehr Gesprächen höre ich heraus, dass viele Mazedonier der Meinung sind, dass es Ihnen während der Zeit des Sozialismus nicht so schlecht gegangen ist. Das ist nun keine grundsätzliche “Früher war alles besser”-Haltung. Aber es scheint tatsächlich so gewesen zu sein, dass Tito in Jugoslawien eine Art Sozialismus light praktiziert hat. Tito hat - Erzählungen nach - immer wieder mit beiden Seiten, dem Osten und dem Westen geflirtet, was den Bewohnern eine gewisse Freiheit einbrachte, die sie heute nicht mehr genießen.
Elena, eine junge Mazedonierin, brachte es neulich so auf den Punkt: “Früher konnte mein Vater zwischen Ost- und Westberlin hin- und herreisen wie es ihm gefiel. Und das alles mit dem selben jugoslawischen Reisepass.”
Alles was einen in einer Stadt umgibt ist gestaltet. Die Formen der Häuser, Plätze, Straßenlaternen, Schaufenster, Kioske, etc. Und alles was einen umgibt, beeinflusst. Ich gehe durch Skopje und mir fallen so viele Dinge auf.
Für gewöhnlich ändert sich alles was einen umgibt mit der Zeit. Bestimmten Trends folgend, schauen über die Jahre Plakate anders aus, oder die Designs der Autos. Auch die Architektur ist in einem ständigen Umbruch. Zwar scheint das in Skopje auch zu passieren, nur wird hier nicht Platz gemacht für Neues, sondern das Neue wird einfach in das bestehende Alte eingepasst - leider nicht unbedingt immer mit großer Behutsamkeit.
Gerade aber weil man hier die ganze Zeit mit diesen Gegensätzen konfrontiert ist, frage ich mich, welche Auswirkungen, das auf die Menschen hat. In einem Gespräch mit einem lokalen Künstler zu diesem Thema, erwähnte dieser, dass so etwas wahrscheinlich nur Leuten auffällt, die sich mit Gestaltung beschäftigen. Das mag vielleicht stimmen, aber ich bezweifle, dass es nicht trotzdem auf alle Menschen die hier leben eine Wirkung hat. In einer durchschnittlichen EU-Stadt zum Beispiel, ist man umgeben von Objekten und/oder Produkten, die nach bestimmten Kriterien gestaltet sind. Farben, Formen oder sogar Typografie sind Stellvertreter für den jeweils aktuellen Zeitgeist. Es herrscht ein globales Bewusstsein für ihn - oder zumindest wie in vielen Fällen auch nur ein Unterbewusstsein. Analog zu diesem Zeitgeist entwickeln sich bestimmte Bedürfnisse, die dazu führen können, dass sich unter Umständen weiße Kopfhörer seit der Einführung des iPods besser verkaufen als Schwarze. Ich glaube, dass die Rezeption hier eine andere ist. Darum frage ich mich, nach welchen Kriterien man hier gestaltet. Worauf achte ich wenn ich zB. eine Verpackung für eine Zahnpasta entwickle? Oder eine Bar einrichte? Oder ein Haus plane? Ich glaube, dass es hier ein viel weiteres Spektrum an wahrzunehmender Gestaltung gibt, weil vieles, was man täglich auf der Straße sehen kann in anderen Ländern nur mehr in Museen zu finden ist. Hinzu kommt, dass es hier auch einen eigene Stil gibt, den man in vielen anderen Ländern gar nie zu Gesicht bekommt: den Stil des permanenten Provisoriums.
Das Shopping Center in der Nachbarschaft heißt “Beverly Hills”. Am Weg dahin kommt man beim Cafe “Mellow Rose Place” vorbei.
Mit der mobilen Kreissäge auf Skopjes Straßen unterwegs.