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Vasil Girgiov 28, Skopje
“Roxette - Fading like a Flower” so, dass auch die Nachbarn es hören.
Vasil Girgiov 28, Skopje
“Roxette - Fading like a Flower” so, dass auch die Nachbarn es hören.
Ein im Großen und Ganzen recht unaufgeregter Tag. In der Früh zog es mich intuitiv in eines der benachbarten Geschäfte, um mich für eine anbahnende Erkältung mit Obst auszustatten. Wobei `Benachbarte Geschäfte´ offensichtlich genau das richtige Wort ist. Ich wohne in einem recht typischen Wohnblock. In den umliegenden Häusern gibt es im Erdgeschoß kleine Läden, Bäckereien, Friseursalons, Bars und sogar Fleischereien. Jedes Geschäftslokal beschränkt sich auf wenige Quadratmeter. Besonders inspirierend fand ich einen kleinen Elektrohandel dessen Verkaufsraum gleichzeitig auch sein eigenes Schaufenster war und vice versa. Wenn man vor der Tür steht, blickt man auf einen Miniaturtresen zu dem man geradewegs zwischen Regalen links und rechts kommt, die mit diversen Elektroartikeln vollgeräumt sind. Mit nur einem Schritt hat man sich durch das ganze Sortiment gearbeitet und steht auch schon vor der Kassa. Das ist puristische Effizienz. Als einzig unpraktisch ließe sich evtl. der Fernseher erwähnen, der Käufer und Geschäftsführer (es kann aus logistischen Gründen keine Angestellten geben) von einander trennt. Er steht mitten am Tresen. Man kann aber davon ausgehen, dass es sich dabei um eine spätere Anschaffung handelt, die ursprünglich nicht im Geschäftskonzept eingeplant war.
Am Nachmittag gab´s ein Treffen mit dem Galeristen Yane, wo wir zum einen über angehende Projekte sprachen (dazu später mehr) und einen Termin mit der Botschaft fixierten. Morgen in der Früh heißt´s also früh raus, rein ins heimatliche Hemd und ab in das österr. Konsulat. Das freundliche Entgegenkommen der dortigen MitarbeiterInnen war bis jetzt außergewöhnlich. Ich freue mich schon auf das Treffen.

Am Eingang zum Konzerthaus
Gestern Nacht ging es zu einem Konzert der Brasilian Girls das im Rahmen des Skopje Jazzfestival statt fand. Der Club war auf eine gewisse Art und Weise nicht so, wie man sich einen Club in Skopje vorstellen würde. Vielleicht mehr wie ein Club aus “Beverly Hills 90210″. Am Eingang wurde man von Frauen in Kostümen, die ein wenig an einen Männerfrack erinnerten, in Empfang genommen. Jeder bekam ein Stück Pfefferminzschokolade und zwei Flyer in die Hand gedrückt. Alles schien so überordendlich und angepasst. Wenn man zur Bar ging, wichen die Leute freiwillig aus um Platz zu machen, man konnte problemlos in der ersten Reihe stehen ohne erdrückt zu werden und das obwohl das Lokal rammelvoll war.
Um 24:00 kam die Band auf die Bühne. Schon nach der zweiten Nummer musste Sängerin Sabina Sciubba einsehen, dass ihre Prophezeiung “Once we´ve started - you can´t stop us.”, zumindest für den Balkan nicht zulässig ist. Mit einem Schlag war alles finster und man hörte nur mehr das akustische Schlagzeug vor sich hin hämmern. Der zweite Stromausfall an diesem Tag.
Der Drummer drosch unbeirrt auf sein Zeug ein und durchs Finster stolperten plötzlich die Bläser von Butch Morris´ Nublu Orchestra auf die Bühne um ihn akustisch zu unterstützen. Nach ca. 15 minütiger Improvisation gab es wieder Strom und das reguläre Konzert ging verstärkt weiter. Es ging so dahin - bis etwa zur Hälfte des Sets der Brazilian Girls. Dann kamen die Bläser wieder auf die Bühne und es folgten atemberaubende Improvisationen, die sich den musikalischen Klangteppich der Hauptband zu nutze machten um nicht auszurutschen. ´eide!
Eine Besonderheit des gestrigen Tages: es hat geregnet. Eine Besonderheit der Stadt: Die Autos parken am Gehsteig. Rollstuhlfahrer, Kinderwägen und übergewichtige Menschen - sorry, keine Chance hier. Man schlängelt sich um weiterzukommen zwischen Gehsteigkante und Verkehr durch die Blocks. Gelegentlich watet man knöcheltief durch die Wasserlachen die in den unebenen Straßen zurückbleiben. Ausnahme: wenn man sich mit den Zehenspitzen auf die Randsteinkante stellt um den vorbeirasenden Autos Platz zum Durchfahren der großen Wasserflächen zu machen.
Daniel Balit, der italienische Kurator, mit dem ich hier zusammen wohne hat das gestern ausprobiert. Er sah danach so aus:
Sechsundzwanzig Tage in Skopje warten auf mich. Bis jetzt habe ich nur den Flughafen, mein Apartment und das Stück dazwischen aus dem Auto gesehen. Die Stadt sieht in etwa so aus, wie ich es mir vorgestellt habe und erinnert an Orte, die ich während meiner Reise in die Ukraine gesehen habe.
Im Reiseführer - der schon etwas älter ist - stand, dass jeweils in der dritten Oktoberwoche ein Jazzfestival statt findet. Die vielen mich am Wiener Flughafen umgebenden, hauptsächlich amerikanischen Reisenden mit Instrumenten im Handgepäck bescheinigten dies.
Yane, der “Chef” von press to exit hat auch schon für das Abendprogramm gesorgt: um 23:00 geht es zu den Brazilian Girls aus NY. Ich bin gespannt, ob wir auf dem Weg dorthin, wieder am größten Gebäude Skopjes, ja, sogar Mazedoniens vorbei kommen werden.
